Ein Paradigmenwandel zeichnet sich in der Behandlung der Alkoholabhängigkeit ab: Das Ziel der Behandlung ist nicht mehr die Abstinenz, sondern eine Unterdrückung des sogenannten Craving (Suchtdruck). Damit eröffnen sich in der Alkoholismusbehandlung neue Möglichkeiten, mit Hilfe modifizierter psychotherapeutischer Unterstützung statt der Symptome, die Ursachen wirksam behandeln

zu können.


Die wissenschaftliche Datenlage und die Erfolge in der Praxis ergeben ein klares Bild. Derzeit bestehen in breiten Kreisen, der mit dieser Problematik befassten Institutionen und Personen, erhebliche Bedenken gegen diesen Ansatz. Protagonisten dieses Umdenkens, wie Prof. Joachim Körkel mit seinem Ansatz des „Kontrollierten Trinkens“ oder Prof. Olivier Ameisen mit seinem mutigen Eintreten für die Behandlung der Alkoholabhängigkeit mit Baclofen, erfahren immer breitere Akzeptanz.


Vorurteile abzubauen, nicht nur im Bereich des Alkoholismus sondern auch in den Bereichen Angst und Depression, einen Umdenkprozess durch Aufklärung zu fördern und durch Engagement, Publikationen, Seminare zu unterstützen, sind die vorrangigen Ziele von Paradigmenwandel e.V.i.G.



Der Vorstand


Gießen/München/Oberhausen im Dezember 2011

Paradigmenwandel gehen einher mit wissenschaftlichen Evolutionen, entstanden durch die Diskrepanz zwischen laufender Beobachtung und vorherrschender Theorie. Die Diskrepanz wird dabei so groß, dass nicht mehr von einem wissenschaftlichen Fortschritt gesprochen werden kann, der sich in einer Adaption der bestehenden Theorie bemerkbar macht, sondern der bisher als richtig verstandene, theoretische Ansatz wird als untauglich erkannt. Dadurch muss ein vollkommen neuer Ansatz erklärt werden, ein Paradigmenwandel wird in Gang gesetzt.


Neue Diagnosemethoden vor allem in der bildhaften Darstellung neurologischer Vorgänge, ein enormes Anwachsen in der Kenntnis komplexer biochemischer Vorgänge und das neue  Verständnis der Epigenetik über genetische und neurologische Grundlagen und deren Veränderungen führen zeitgleich zur Erforschung komplex wirkender psychopharmakologischer Substanzen. Daraus ergibt sich ein völlig neues Verständnis über Erkrankungen, die auf stofflichen Süchten beruhen. In diesem Zusammenhang eröffnen sich auch neue Behandlungsmöglichkeiten bei Angst und Depression.


Das aktuell wichtigste Beispiel für einen Paradigmenwandel ist die Behandlung der Alkoholabhängigkeit. Das Verständnis neurobiolo-gischer Vorgänge in den Neurotransmittersystemen kann das primäre Symptom des Alkoholismus auf eine Störung dieses Gleichgewichts zurückführen. Äußerst effektive Pharmaka wie das bisher als Muskelrelaxans bekannte Baclofen sind in der Lage, dieses Gleichgewicht wieder herzustellen.